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Jurymitglieder:
Martin Schairer Jeremy Smith Ulrich Bohner Irini Ralli-Valsamaki Günter Gerstberger Kathleen Elsig Baldo Blinkert Ansprechpartnerin für weitere Fragen: Julia Droege, Stadt Stuttgart |
Am vergangenen Montag wurde im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart zum ersten Mal die Europäische Auszeichnung "City for Children" in den Kategorien "Freiraumgestaltung und Spielflächen" sowie "Mobilität und Verkehrssicherheit" verliehen. Mit Hilfe dieser Auszeichnung sollen beispielhafte Projekte über die jeweiligen Stadtgrenzen hinaus publik gemacht werden, damit Kinder in unseren Städten künftig besser und sicherer aufwachsen können. Obwohl die Europäische Auszeichnung "City for Children" in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wurde, fanden sich auf der Bewerberliste 68 Projekte aus zwanzig Ländern. Teilnehmen konnten alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern.Dass es in unserer Gesellschaft zu wenige Kinder gibt, das ist mittlerweile ein alt bekanntes Problem. Doch daran sind nicht nur die gut ausgebildeten Akademikerpaare schuld, die lieber Karriere machen als zuhause Kinder groß zu ziehen. Auch der Wohnungsmarkt und die Stadtplanung tragen ihren Teil zu dieser negativen Entwicklung bei. Um dieses Problem Schritt für Schritt zu lösen, wurde 2007 vom Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster und der Robert-Bosch-Stiftung das Europäische Netzwerk "Cities for Children" gegründet. 53 Städte aus 26 europäischen Ländern engagieren sich mittlerweile aktiv für die Belange der Kinder. In diesem Jahr wurde nun erstmals die europäische Auszeichnung "City for Children" ausgelobt. Initiiert von der Stadt Stuttgart, der Robert-Bosch-Stiftung, dem Kongress der Gemeinden und Regionen Europas (KGRE) und dem Rat der Gemeinden und Regionen Europas (CEMR) sollen innovative Maßnahmen ausgezeichnet werden, "die anderen Städten als Vorbild dienen können, langfristig angelegt sind und unter Mitwirkung von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Senioren entwickelt und umgesetzt wurden". Insgesamt waren 68 Projekte aus zwanzig Ländern eingereicht und von einer Jury davon die jeweils drei Besten ausgewählt worden. Bei der Gestaltung von Freiräumen und Spielflächen überzeugten die Projekte aus Darmstadt und Malmö die sieben Mitglieder der Jury, Zürich ging mit einer Nominiertenurkunde auch nicht ganz leer aus. In ihrem neuen "Stadtdschungel" fühlen sich die Kinder der Zürcher Hardau richtig wohl. Ein Grund dafür: Achtzig Prozent ihrer Ideen konnten umgesetzt werden. (Bild: Simone Hübener)Mit einem kleinen, aber umso schöneren Spielplatz hatte sich Zürich um die Auszeichnung beworben. Eingebettet zwischen einer neuen Turnhalle und Mehrfamilienhäusern liegt der vierhundert Quadratmeter große "Stadtdschungel", der neue Quartierspielplatz Hardau. Als sozialer Brennpunkt war die Hardau lange verschrien, rund vierzig Prozent der Bewohner haben einen ausländischen Pass. Außerdem durchqueren zwei Transitrouten den Stadtteil und schränken so den Aktionsradius der Kinder stark ein. Deshalb war es der Stadt besonders wichtig, den Lebensmittelpunkt der jungen Stadtbewohner im Quartier zu verankern. In einem äußerst intensiven Partizipationsprozess entwickelten fünfzig Kinder mit der Unterstützung einiger städtischer Mitarbeiter über zwei Jahre hinweg gemeinsam diesen Spielplatz. Das endgültige Modell – eine Symbiose der verschiedenen Vorschläge – war für die Projektleiter bindend. Konnte eine Idee aus technischen oder finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden, wurde den Kindern entweder der Grund dafür erklärt oder gemeinsam mit ihnen eine Alternative gesucht. Eine wichtige Rolle in diesem langwierigen Prozess, in dem auch die schwierige Aufgabe bewältigt werden musste, die Kleinen bei Laune zu halten, kommt dem Mega!phon zu. Dieses Angebot der Stadt Zürich, das im Jahr 2000 ins Leben gerufen wurde, gibt Kindern und Jugendlichen eine Stimme, fördert Projekte, bei denen sie mitreden können. Leider haben nicht alle Städte und Gemeinde die finanziellen Mittel, um solche zeitaufwändigen Prozesse zu realisieren. Deswegen ist dieses Projekt auch nicht auf eine x-beliebige Stadt übertragbar – ein Grund für die Jury, Zürich schließlich doch keine Auszeichnung zu verleihen. Es regt aber gleichzeitig zum Nachdenken an, und mit Hilfe des Netzwerks "Cities for Children" könnte diese gute Idee von einer Stadt in die nächste weitergetragen werden. Auf einer großen Freifläche mitten im Darmstädter Stadtteil Kranichstein steht das Jugendcafé "Chillmo". Auch hier hatten Kinder und Jugendliche von Beginn an ein Mitspracherecht. (Bild: Freischlad + Holz, Planung und Architektur, Darmstadt)Darmstadt hat sich mit einem Projekt beworben, das sich aus vielen kleinen Teilen zusammensetzt. Mit der Anlage von Spielplätzen und Spielflächen, der Neugestaltung von Schulhöfen, dem Bau eines Jugendcafés und vielem mehr, wird seit Jahren versucht, den Stadtteil Kranichstein aufzuwerten. Auch wenn es noch immer Baustellen gibt, lässt sich bereits jetzt erkennen, dass die Gelder der "Sozialen Stadt" hier gut aufgehoben sind. Wie an einer Kette aufgereiht, durchziehen die "Perlen" den gesamten Stadtteil, ermöglichen den Kindern das freie Spiel, bieten aber auch den erwachsenen Bewohnern neue Kommunikationsmöglichkeiten. Exemplarisch dafür sei das neue Jugendcafé Chillmo erwähnt. Nicht in das Kellergeschoss eines Hauses verlagert und auch nicht am Rande der Siedlung, sondern an einem sehr prominenten Platz steht seit 2006 ein weißer Pavillon, der weit mehr geworden ist als nur Jugendhaus. Senioren genießen dort ihren Sonntagskaffee und lassen sich den von einem der Jugendlichen – einem angehenden Konditormeister – gebackenen Kuchen schmecken, unter der Woche geben Jugendliche Internetkurse für Senioren. Und warum funktioniert hier alles so gut? Sicherlich auch, weil alle Parteien von Anfang an in die Planungen und den ganzen Prozess einbezogen wurden, die Kinder und Jugendlichen bei regelmäßig stattfindenden Baustellencafés über die Gestaltung ihres Jugendhauses diskutieren konnten, die Anwohner die Pläne frühzeitig zu Gesicht bekamen. Keine Entscheidung wurde über die Köpfe der künftigen Nutzer hinweg gefällt. Die Jury war letztlich auch davon überzeugt, dass über Jahre hinweg mit relativ geringen finanziellen Mitteln bereits viel erreicht wurde und künftig noch mehr verbessert werden wird. Außerdem gelang es den Projektverantwortlichen Drittmittel zu organisieren, wie beispielsweise von der Bertelsmannstiftung, die 70.000 Euro für die Inneneinrichtung des Jugendhauses bezahlte. Inzwischen findet man auf dem ehemaligen Hafengelände in Malmö nicht mehr nur den riesigen Skaterpark, sondern auch Klettertürme, ein Café und vieles mehr. (Bild: Bernte Lundkvist)Eine völlig andere Ausgangssituation hatte das schwedische Projekt. Während in Darmstadt ein bestehender Stadtteil aufgewertet wird, wurde mit der Skateranlage Stapelbäddsparken in Malmö in einem neuen Stadtteil gleich von Beginn an der Platz für die Kinder und Jugendlichen reserviert – eine Besonderheit. Darüber hinaus waren sich die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung bewusst, dass sie für den Bau eines Skaterparks nicht das nötige Fachwissen haben und überließen deshalb einem Spezialisten die Gestaltung. Stefan Hauser kam eigens für den Stapelbäddsparken für längere Zeit aus den USA nach Malmö, die Modellierung der Pools dauerte insgesamt sechs Monate – alles Handarbeit. Doch genauso wichtig wie die Skateranlage ist deren Umfeld. Auf einer ebenen Fläche mit niedrigen Rampen können die Kleinen üben, drei vor kurzem aufgestellte Klettertürme locken die Anhänger dieser Sportart an, ein Café lädt zum Ausruhen ein, in einer Bibliothek kann geschmökert und die Theorie des Skatens studiert werden, eine angrenzende Schiffsrampe wurde zu einem Ort für Feste, Ausstellungen und Workshops umfunktioniert. Der Mix ist das Erfolgsrezept. Er sorgt dafür, dass sich Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene von verschiedenen sozialen Gruppen treffen, miteinander ins Gespräch kommen, Neues ausprobieren. Sicherlich lässt sich das Projekt, das immerhin 15 Mio. Schwedische Kronen (rund 2,5 Mio. Euro) gekostet hat, nicht 1:1 an einen anderen Ort übertragen. Dennoch wäre es wünschenswert, dass auch in anderen Städten Kinder und Jugendliche so viel Wertschätzung erfahren würden und die Stadt- und Gemeinderäte nicht das Geld in der Kasse klingeln hörten, dass sich mit dieser Fläche in Form von Bauland hätte erwirtschaften lassen.
Die Auszeichnung, die fortan im Jahresrhythmus vergeben werden soll, trägt ohne Zweifel dazu bei, dass die Ziele von "Cities for Children" schneller umgesetzt werden können, da sie dem Netzwerk eine neue, laute Stimme gibt und sich die Städte (noch) intensiver mit der Thematik auseinandersetzen. Gespannt warten wir nun auf den zweiten Preis 2010, der bereits im Herbst dieses Jahres ausgelobt werden wird. sh |
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